
Nach der irren und wirren Rede von Donald Trump am WEF begreifen auch die letzten Beschwichtiger, was auf dem Spiel steht. Dieser Präsident ist eine Bedrohung für das Völkerrecht und die Souveränität kleinerer Staaten. Die USA treten offen als imperialistische Grossmacht auf und zeigen mehr Sympathie für Putins Russland als für die Demokratien Europas, die von Trump und seinen Anhängern regelmässig bedroht oder verächtlich behandelt werden.
Zugleich müssen wir mitansehen, wie ICE-Agenten in US-Städten Menschen erschiessen, Kinder verhaften und ganze Quartiere terrorisieren. Das systematische Lügen, die Verherrlichung von Gewalt als Stärke und die Herabwürdigung, Unterdrückung sowie Verfolgung von Minderheiten und Andersdenkenden sind kein Zufall, sondern Methode. Es lässt sich nicht mehr leugnen, dass diese Regierung nicht nur autoritäre, sondern faschistische Züge trägt.
Und dennoch gibt es gerade in der Schweiz, insbesondere in Teilen der Wirtschaftselite und im Bundesrat, weiterhin eine bedenkliche Neigung zur Verharmlosung. Teils aus Opportunismus, teils aus einer verqueren Faszination für die USA, die als dynamischer, innovativer und attraktiver gelten als Europa. Tatsächlich wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) der USA in den vergangenen Jahren schneller als jenes Europas. Die USA erleben einen Tech- und KI-Boom, den es in Europa nicht gibt. Daraus wird gerne die Erzählung gestrickt, Europa trete an Ort oder würge gar Innovation ab, während jenseits des Atlantiks die Zukunft gebaut werde.
Doch was liefern die beiden Modelle tatsächlich für die Menschen? Ein Blick auf nüchterne Zahlen von Eurostat und der OECD lohnt sich. Die Lebenserwartung beträgt in der EU 82 Jahre, in den USA 78. Auf 1000 Lebendgeburten sterben in der EU 3,3 Kinder, in den USA 5,6. 15 Prozent der EU-Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, in den USA sind es 18 Prozent. Die Staatsverschuldung liegt in den USA bei rund 120 Prozent des BIP, in der EU durchschnittlich bei 81 Prozent. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt in den USA rund 40 Prozent des Vermögens, in der EU rund 25 Prozent. Studienabgängerinnen und -abgänger starten in den USA mit durchschnittlich 40’000 Dollar Schulden ins Arbeitsleben, in der EU in der Regel schuldenfrei. In den USA gibt es 5 Morde und 531 Inhaftierte pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner, in der EU 2 Morde und 111 Häftlinge. 71 Prozent der Frauen nehmen in Europa am Erwerbsleben teil, in den USA nur 57 Prozent. Tödliche Arbeitsunfälle treffen in den USA 3,5 von 100’000 Erwerbstätigen, in der EU 1,6.
Das angeblich überlegene Wirtschaftsmodell der USA liefert also in Tat und Wahrheit deutlich schlechtere Resultate. Trotz geringeren Wachstums in den letzten Jahren lebt man auf dem alten Kontinent klar länger, gesünder, sicherer, freier und besser. Das sagen die Zahlen. Und sie werden sich im aktuellen Regime kaum zugunsten der USA entwickeln.
Was Europa und vor allem auch die Schweiz brauchen, ist darum mehr Selbstachtung und weniger Unterwürfigkeit gegenüber dem Autokraten Trump. Wir brauchen mehr Einsatz für europäische Souveränität und Zusammenarbeit – gerade für unser erfolgreiches Sozialmodell.
Dieser Text ist am 4. Februar 2026 als Kolumne in der Südostschweiz und als Beitrag auf der Website der SGA erschienen.