{"id":5676,"date":"2026-05-01T21:00:00","date_gmt":"2026-05-01T19:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/?p=5676"},"modified":"2026-05-03T11:43:34","modified_gmt":"2026-05-03T09:43:34","slug":"rede-zum-tag-der-arbeit-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonpult.ch\/rm\/rede-zum-tag-der-arbeit-2026\/","title":{"rendered":"Rede zum Tag der Arbeit 2026"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2026\/05\/1.-Mai-2026-1024x1024.jpg.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-5677\" srcset=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2026\/05\/1.-Mai-2026-1024x1024.jpg.webp 1024w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2026\/05\/1.-Mai-2026-300x300.jpg.webp 300w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2026\/05\/1.-Mai-2026-150x150.jpg.webp 150w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2026\/05\/1.-Mai-2026-768x768.jpg.webp 768w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2026\/05\/1.-Mai-2026-1536x1536.jpg.webp 1536w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2026\/05\/1.-Mai-2026-2048x2048.jpg.webp 2048w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2026\/05\/1.-Mai-2026-100x100.jpg.webp 100w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Rede an der Feier zum 1. Mai 2026 der SP Oberland in Unterseen bei Interlaken<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn f\u00fcr eine Woche alle CEOs, Verwaltungsr\u00e4tinnen, Regierungsr\u00e4tinnen, Parlamentarier oder Bundesr\u00e4tinnen ausfallen, passiert \u2013 nichts. Wenn aber f\u00fcr eine Woche alle Pflegerinnen, B\u00e4hnler, Chauffeurinnen, Lehrer, Polizistinnen, Sozialarbeiter, Sanit\u00e4rinnen, K\u00f6che, \u00c4rztinnen, Sekret\u00e4re und Bauarbeiterinnen ausfallen \u2013 dann steht das Land still. Dann ger\u00e4t unsere Gesellschaft ins Wanken.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind die hart arbeitenden Menschen, die den Wohlstand unserer Wirtschaft schaffen. Sie sorgen f\u00fcr Fortschritt und Sicherheit in unserer Gesellschaft. Sie halten dieses Land am Laufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb feiern wir sie jedes Jahr am 1. Mai, dem Tag der Arbeit. Und an den \u00fcbrigen 364 Tagen setzen wir uns daf\u00fcr ein, dass Arbeit endlich den Respekt erh\u00e4lt, den sie verdient.<\/p>\n\n\n\n<p>Der 1. Mai ist der einzige wirklich globale Feiertag. Denn der Kampf der Arbeiterinnen und Arbeiter um W\u00fcrde, Freiheit und Gerechtigkeit findet weltweit statt \u2013 und ist zugleich ein Kampf f\u00fcr mehr Demokratie.<\/p>\n\n\n\n<p>Demokratie ist mehr als ein politisches Verfahren. Sie ist die Idee einer Gesellschaft, in der alle Menschen frei und gleich sind. In der niemand wegen seines Berufs, Einkommens, Geschlechts, seiner sexuellen Orientierung, seiner Herkunft, Religion oder \u00dcberzeugungen weniger Rechte hat als andere. In der niemand \u00fcber andere herrscht und niemand sich unterwerfen muss. In der kein K\u00f6nig, kein Autokrat, keine Oligarchen und keine Milliard\u00e4re \u00fcber das Leben der Menschen bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau deshalb f\u00fcrchten die Trumps, Putins, Xis \u2013 aber auch die Musks, Bezos und Zuckerbergs \u2013 die Gewerkschaften und andere Demokratiebewegungen. Denn gemeinsamer Einsatz f\u00fcr gerechte Arbeitsbedingungen und gleiche Rechte f\u00fcr alle entzieht ihrer Herrschaft und ihrer Hetze die Grundlage. Die Werte des 1. Mai sind das st\u00e4rkste Schutzschild gegen Autokratie und Oligarchie \u2013 und gerade deshalb heute so wichtig!<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wir leben im Ernstfall: Eine aggressive Grossmachtpolitik ist zur\u00fcck. Die Grossm\u00e4chte dieser Welt arbeiten aktiv gegen Demokratie, V\u00f6lkerrecht und Menschenrechte \u2013 nach innen wie nach aussen.<\/p>\n\n\n\n<p>China ist ein totalit\u00e4rer Staat, der alles und alle \u00fcberwacht und jeden Widerspruch brutal unterdr\u00fcckt. Russland ist eine faschistische Gangsterdiktatur, die die demokratische Ukraine vernichten und die europ\u00e4ische Einigung zerschlagen will. Und unter Trump liegt nun auch die \u00e4lteste Demokratie der Welt auf der Intensivstation. Seine permanente L\u00fcgenpropaganda, die t\u00e4gliche Hetze, die S\u00e4uberungen in der Verwaltung, die illegalen Massendeportationen, die Staatsgewalt auf den Strassen von Minneapolis, die Missachtung von Justiz und Gewaltenteilung, der rassistische und antifeministische Backlash, die Angriffe auf freie Medien, Wissenschaft, Andersdenkende und Minderheiten \u2013 all das zeigt die pure Zerst\u00f6rungswut von Trump und seiner MAGA-Gefolgschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch aussenpolitisch kennt Trump sprichw\u00f6rtlich keine Grenzen. Wie Xi Taiwan annektieren will, wie Putin die Ukraine bombardiert, so erhebt Trump territoriale Anspr\u00fcche \u2013 wahlweise auf Venezuela, Gr\u00f6nland, Panama oder Kanada. Er greift auf illegale und verantwortungslose Weise den Iran an und st\u00fcrzt den Mittleren Osten ins Chaos. Damit t\u00f6tet er Unschuldige, gef\u00e4hrdet die Weltwirtschaft und zerst\u00f6rt das letzte St\u00fcck der regelbasierten Weltordnung. Und wie Putin versucht auch er, den Zusammenhalt in Europa zu zerst\u00f6ren und die gr\u00f6sste Errungenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg \u2013 die europ\u00e4ische Einigung \u2013 r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was machen wir in der Schweiz?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir f\u00fchren eine Auseinandersetzung um die Trumpisierung unseres Landes. Auf den Spuren Trumps betreibt die SVP n\u00e4mlich eine Politik, die Institutionen aber auch freie Medien schw\u00e4cht, die europ\u00e4ische Integration r\u00fcckabwickelt, Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder zu S\u00fcndenb\u00f6cken macht und die N\u00e4he zu Autokraten wie Putin sucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im M\u00e4rz haben wir \u00fcber die Anti-SRG-Initiative abgestimmt \u2013 ein Angriff auf unsere mediale Souver\u00e4nit\u00e4t und den Service public. Diesen Angriff konnten wir zum Gl\u00fcck abwehren. Doch die n\u00e4chsten folgen:<\/p>\n\n\n\n<p>Im Herbst stimmen wir \u00fcber die sogenannte \u00abNeutralit\u00e4tsinitiative\u00bb ab, die es der Schweiz verbieten w\u00fcrde, Sanktionen gegen Kriegstreiber wie Putin zu ergreifen und mit unseren Nachbarn in der Sicherheitspolitik zusammenzuarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und schon am 14. Juni kommt die \u00abChaos-Initiative\u00bb zur Abstimmung. Wer ihren Text n\u00fcchtern liest, erkennt schnell die Gefahr: Bereits ab 9,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern m\u00fcssten zentrale Abkommen zum Asylrecht und zur Personenfreiz\u00fcgigkeit gek\u00fcndigt werden. Das Freiz\u00fcgigkeitsabkommen mit der EU w\u00fcrde faktisch wegfallen, weil die EU Diskriminierung ihrer B\u00fcrger:innen nicht akzeptieren kann. Gleichzeitig w\u00fcrde das Asylrecht ausgeh\u00f6hlt und der Familiennachzug massiv eingeschr\u00e4nkt \u2013 ein Verstoss gegen grundlegende Menschenrechte. Und 1,5 Millionen Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er in der Schweiz sowie 500&#8217;000 Schweizerinnen und Schweizer in Europa h\u00e4tten keine Rechtssicherheit \u00fcber ihren Aufenthaltsstatus mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders zynisch ist die Definition der st\u00e4ndigen Wohnbev\u00f6lkerung in der SVP-Initiative. Gez\u00e4hlt w\u00fcrden nur Menschen, die l\u00e4nger als zw\u00f6lf Monate hier leben. Das \u00f6ffnet T\u00fcr und Tor f\u00fcr ein System, in dem Arbeitskr\u00e4fte kurzfristig eingesetzt werden \u2013 ohne Rechte, ohne Perspektive. Es w\u00e4re die R\u00fcckkehr zum Saisonnierstatut. Die R\u00fcckkehr in eine Schweiz, die Familien trennt und Menschen entrechtet. Die SVP will nicht weniger Arbeitskr\u00e4fte \u2013 sie will weniger Menschen mit Rechten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Folgen der Chaos-Initiative tr\u00e4fen nicht nur diese direkt Betroffenen. Auch die Schweiz als Ganzes w\u00fcrde grossen Schaden nehmen. Aussenpolitisch k\u00e4me es zu einem Bruch mit Europa. F\u00e4llt die Personenfreiz\u00fcgigkeit, stehen die bilateralen Vertr\u00e4ge auf dem Spiel. Damit w\u00fcrde die Schweiz den privilegierten Zugang zu ihrem wichtigsten Markt riskieren \u2013 ein schwerer Schuss ins eigene Knie, gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Dagegen m\u00fcssen wir alle erbitterten Widerstand leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der SRG haben wir gewonnen. Wir m\u00fcssen auch am 14. Juni gegen die Chaos-Initiative und im Herbst gegen die Pro-Putin-Initiative gewinnen. In diesen Abstimmungen entscheidet sich, ob die Schweiz auf der trumpistischen Welle mitschwimmt \u2013 oder ob sie sich als Wellenbrecherin positioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei wissen wir, was der wirksamste Widerstand ist: solidarisches Engagement.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine soziale Schweiz \u2013 mit fairen L\u00f6hnen, guten Arbeitsbedingungen und gerechten Renten.<br>F\u00fcr einen starken Service public.<br>F\u00fcr bezahlbare Mieten und Krankenkassenpr\u00e4mien.<br>F\u00fcr echte Gleichstellung und eine zeitgem\u00e4sse Familienpolitik.<br>F\u00fcr den Zusammenhalt in Europa und eine verl\u00e4ssliche Beziehung zur EU.<br>F\u00fcr eine Schweiz, die gemeinsam mit anderen Demokratien f\u00fcr das V\u00f6lkerrecht einsteht und sich dem Imperialismus entgegenstellt.<br>F\u00fcr eine Schweiz, die zusammenh\u00e4lt \u2013 im Innern und in Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine Schweiz, die die Werte des 1. Mai lebt \u2013 jeden Tag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn f\u00fcr eine Woche alle CEOs, Verwaltungsr\u00e4tinnen, Regierungsr\u00e4tinnen, Parlamentarier oder Bundesr\u00e4tinnen ausfallen, passiert \u2013 nichts. Wenn aber f\u00fcr eine Woche alle Pflegerinnen, B\u00e4hnler, Chauffeurinnen, Lehrer, Polizistinnen, Sozialarbeiter, Sanit\u00e4rinnen, K\u00f6che, \u00c4rztinnen, Sekret\u00e4re und Bauarbeiterinnen ausfallen \u2013 dann steht das Land still. 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