{"id":1790,"date":"2020-04-08T10:57:13","date_gmt":"2020-04-08T08:57:13","guid":{"rendered":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/?p=1790"},"modified":"2025-09-05T13:35:22","modified_gmt":"2025-09-05T11:35:22","slug":"kredite-reichen-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonpult.ch\/rm\/kredite-reichen-nicht\/","title":{"rendered":"Kolumne zur Corona-Krise: Kredite reichen nicht!"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Solidarit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung in dieser schwierigen Zeit ist beeindruckend. Eine grosse Mehrheit der Menschen h\u00e4lt sich diszipliniert an die Regeln gegen das Virus. Trotz wirtschaftlicher Existenzangst. Trotz schnell steigender Arbeitslosigkeit. Trotz Zusatzbelastungen in der Familie. Trotz massiver Einschr\u00e4nkungen unserer Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun w\u00e4chst der politische Druck f\u00fcr eine schnelle Lockerung der Regeln. Das ist verst\u00e4ndlich. Aber nicht unbedingt vern\u00fcnftig. Die Schweiz weist eine der h\u00f6chsten Pro-Kopf-Infektionsraten der Welt aus. Unsere Spit\u00e4ler sind nur dank den Massnahmen des Bundesrates und der Disziplin der Bev\u00f6lkerung nicht kollabiert. Damit haben wir Menschenleben gerettet! Nun d\u00fcrfen wir es nicht schleifen lassen. Der Schutz der Gesundheit muss weiterhin Priorit\u00e4t haben. Das ist ethisch aber auch wirtschaftlich richtig. Denn die Sch\u00e4den einer zweiten Coronawelle w\u00e4ren ungleich gr\u00f6sser als die tempor\u00e4re Weiterf\u00fchrung der Massnahmen. Zu Recht hat Bundesrat Alain Berset stets betont, dass bei der Gesundheit wissenschaftliche Erkenntnis und nicht politisches Lobbying die Richtschnur ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr politische Debatte braucht es hingegen um die wirtschaftspolitische Antwort auf die Krise. Wie stoppen wir den Anstieg der Arbeitslosigkeit? Wie verhindern wir, dass auf die Epidemiewelle eine Pleitewelle folgt? Wie halten wir die gesamtwirtschaftlichen Kosten m\u00f6glichst tief? All das h\u00e4ngt von der wirtschaftspolitischen Reaktion ab. Und die ist bisher ungen\u00fcgend.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Ausweitung der Kurzarbeit goldrichtig. Sie rettet Arbeitspl\u00e4tze und entlastet Unternehmen. In der Krise zeigt sich, wie wertvoll ein Sozialwerk wie die Arbeitslosenversicherung ist! Auch das Kreditprogramm des Bundes, das vom Kanton Graub\u00fcnden aufgestockt wurde, ist n\u00fctzlich. Damit erhalten Unternehmen dringend ben\u00f6tigte Liquidit\u00e4t. Doch Kredite reichen nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirtschaftszweige mit tiefen Margen, wie der f\u00fcr uns so wichtige Tourismus, ertragen keine weitere Verschuldung im grossen Stil. \u00dcberschuldete Hotels, Restaurants und andere Betriebe k\u00f6nnen auf Jahre hinaus nicht investieren und keine Innovationen finanzieren. Das schadet ihrer Wirtschaftskraft langfristig. Sie brauchen Geld, keine Schulden. Ebenso brauchen Kultur- und Sportinstitutionen finanzielle Unterst\u00fctzung ohne zus\u00e4tzliche Verschuldung. Mindestens im Umfang der wegen des Lockdown angefallenen Einbussen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine schnelle Einkommensgarantie brauchen endlich auch diejenigen, die bis jetzt durch alle Maschen fallen. Selbstst\u00e4ndige, deren T\u00e4tigkeit zwar nicht verboten aber wegen den Gesundheitsmassnahmen faktisch verunm\u00f6glicht wurde: Physiotherapeutinnen, Taxifahrer, Kulturschaffende, Skilehrer, Grafikerinnen, Texter, Fotografinnen und viele andere.<\/p>\n\n\n\n<p>All diese Realit\u00e4ten zeigen, dass es auch Programme f\u00fcr A-fonds-perdu-Beitr\u00e4ge braucht. Nur so k\u00f6nnen KMU, Kultur, Sport und Selbstst\u00e4ndige gerettet werden. Finanzpolitisch k\u00f6nnen wir uns das locker leisten. Die Bundesschuld ist tief, der Kanton Graub\u00fcnden hat ein Milliarden-Nettoverm\u00f6gen und die Zinsen sind negativ. Umfassende St\u00fctzungsmassnahmen von Bund und Kantonen sind jetzt eine Notwendigkeit. Was wir uns n\u00e4mlich nicht leisten k\u00f6nnen, ist, einen Teil der Bev\u00f6lkerung im Stich zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Text ist am 8. April 2020 als Kolumne in der S\u00fcdostschweiz erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Solidarit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung in dieser schwierigen Zeit ist beeindruckend. Eine grosse Mehrheit der Menschen h\u00e4lt sich diszipliniert an die Regeln gegen das Virus. Trotz wirtschaftlicher Existenzangst. Trotz schnell steigender Arbeitslosigkeit. Trotz Zusatzbelastungen in der Familie. Trotz massiver Einschr\u00e4nkungen unserer Freiheit.<\/p>\n<p>Nun w\u00e4chst der politische Druck f\u00fcr eine schnelle Lockerung der Regeln. Das ist verst\u00e4ndlich. Aber nicht unbedingt vern\u00fcnftig. Die Schweiz weist eine der h\u00f6chsten Pro-Kopf-Infektionsraten der Welt aus. Unsere Spit\u00e4ler sind nur dank den Massnahmen des Bundesrates und der Disziplin der Bev\u00f6lkerung nicht kollabiert. Damit haben wir Menschenleben gerettet! Nun d\u00fcrfen wir es nicht schleifen lassen. Der Schutz der Gesundheit muss weiterhin Priorit\u00e4t haben. Das ist ethisch aber auch wirtschaftlich richtig. Denn die Sch\u00e4den einer zweiten Coronawelle w\u00e4ren ungleich gr\u00f6sser als die tempor\u00e4re Weiterf\u00fchrung der Massnahmen. 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