{"id":2652,"date":"2022-08-01T12:04:00","date_gmt":"2022-08-01T10:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/?p=2652"},"modified":"2025-09-05T13:14:57","modified_gmt":"2025-09-05T11:14:57","slug":"nossa-patria-es-quai-cha-nus-fain-landroura-ansprache-zum-1-august-in-scuol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonpult.ch\/it\/nossa-patria-es-quai-cha-nus-fain-landroura-ansprache-zum-1-august-in-scuol\/","title":{"rendered":"Patria es quai cha nus fain landroura &#8211; pled dals 1. avuost"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-1024x768.jpg.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-2654\" srcset=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-1024x768.jpg.webp 1024w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-300x225.jpg.webp 300w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-768x576.jpg.webp 768w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-1536x1152.jpg.webp 1536w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-1200x900.jpg.webp 1200w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-50x38.jpg.webp 50w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-67x50.jpg.webp 67w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-100x75.jpg.webp 100w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-133x100.jpg.webp 133w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-853x640.jpg.webp 853w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-640x480.jpg.webp 640w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau-1440x1080.jpg.webp 1440w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Heimat-Wetzgau.jpg.webp 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Das Wort&nbsp;<em>Heimat<\/em>&nbsp;in 2&nbsp;m hohen Buchstaben am Rand eines Neubaugebietes in&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rehnenhof-Wetzgau#Wetzgau\">Wetzgau<\/a> (Wikipedia)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Charas engiadinaisas e chars engiadinais<\/p>\n\n\n\n<p>charas Svizras e chars Svizzers<\/p>\n\n\n\n<p>Chars conumans<\/p>\n\n\n\n<p>Hoz es ils 1. avuost, nossa festa naziunala. A pr\u00fcma \u00f6gliada nun es quai \u00fcna chosa cumplichada, anzi ella es simpla: nus festagiain nossa patria.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr einmal gef\u00e4llt mir das deutsche Wort besser als das romanische, weil es ohne patriarchale Etymologie auskommt: wir feiern nossa patria, unsere Heimat. Das ist prima vista eine einfache Sache. Doch auf den zweiten Blick gestaltet sie sich verzwickter. Dann n\u00e4mlich, wenn wir uns fragen, was denn genau unsere Heimat ist. Es ist verzwickt, wenn wir versuchen diese einfache Frage ehrlich und in der Tiefe zu beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche es trotzdem. Denn das ist sozusagen die Kernkompetenz eines Politikers: Lange Antworten auf einfache Fragen zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Also: Was ist unsere Heimat?<\/p>\n\n\n\n<p>Eu cumainz cun l\u2019evidaint. Nossa patria es la terra. Ob wir es wollen oder nicht. Das Schicksal hat uns diesen einen Planeten zugelost, der uns zuweilen unermesslich gross erscheint. Beispielsweise wenn wir hier oben in die Ferne blicken. Cur cha nus realisain cha davo mincha orizont daja \u00fcn oter orizont e \u00fcn oter orizont e amo \u00fcn oter orizont.<\/p>\n\n\n\n<p>Minchatant nos planet natal ans para per\u00f2 eir pitschnin pitschnin. Per exaimpel cur cha nus til guardain tras il telescop da spazi James Webb. Klein scheint uns unser Planet, wenn wir uns vergegenw\u00e4rtigen, wie eng unsere Gesellschaften auf der Welt zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie folgenreich ein winzig kleiner Vorfall f\u00fcr die globale Gemeinschaft sein kann. Beispielsweise das \u00dcberspringen eines viralen Erregers auf einen menschlichen Wirt irgendwo auf einem Markt, von dem wir hier nicht wussten, dass es ihn gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Scha nus vessan dad avair invlid\u00e0 malgr\u00e0 la crisa dal clima o nossa economia globalisada \u2013 la pandemia ans ha trat adimanit fich bain ed in m\u00f6d persistent: nus eschan \u00fcna cum\u00fcnanza da destin mundiala \u2013 eine weltweite Schicksalsgemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei, ich muss mich korrigieren: schon wieder ist mir das Wort Schicksal \u00fcber die Lippen gerutscht. Dabei glaube ich nicht an die Unver\u00e4nderbarkeit der Zust\u00e4nde. Zumindest derjenigen auf unserem Planeten. Wir haben es in der Hand, sie zu ver\u00e4ndern. Das ist der Kern jeder demokratischen \u00dcberzeugung. Also sagen wir besser: Wir sind eine weltweite Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>E cun quai cha nus eschan pertocs tuots insembel dal muond staina eir decider insembel culs listess drets e dovairs sur da la cundiziun dal muond. Eir quai es il minz da la democrazia.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird die Antwort auf die Frage, was unsere Heimat ist, ein erstes Mal erweitert: Heimat ist nicht nur geografisch zu verstehen, sondern ideell. Fragen wir uns also nicht nur: In welcher Welt sind wir zuhause? Sondern: In welchem Wert, in welchen Werten sind wir zuhause?<\/p>\n\n\n\n<p>Cun il di da festa naziunala nu festagiana be simplamaing la Svizzra sco territori geografic pl\u00fc o main casual. Nus nu festagian simplamaing \u00fcn evenimaint istoric. Nus festagiani valuors. Nus festagiain valuors democraticas.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Demokratie, die wir in der Schweiz feiern d\u00fcrfen, ist nicht vollkommen. Bis vor etwas mehr als f\u00fcnfzig Jahren hat sie die Frauen ausgeschlossen. Und noch immer, so finde ich zumindest, schliesst sie zu wenige Menschen ein, die hier leben, arbeiten und Steuern zahlen. Ein Viertel unserer erwachsenen, st\u00e4ndigen Bev\u00f6lkerung darf noch nicht mitbestimmen. Ein grosses Defizit. Aber in ihrem Kern, in ihrer f\u00f6deralistischen und rechtsstaatlichen Auspr\u00e4gung und auch wenn man sie historisch einordnet, ist unsere Demokratie eine enorme Errungenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie verbindet uns mit all jenen \u00fcberall auf der Welt, die sich f\u00fcr Freiheit, f\u00fcr Selbstbestimmung und f\u00fcr die Menschenrechte einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir uns in der Demokratie zuhause f\u00fchlen, haben wir eine weite Heimat, die sich \u00fcber Grenzen in der Landschaft und \u00fcber Grenzen in den K\u00f6pfen erstreckt. Doch dieses Zuhause, das wir alle gemeinsam und als Freie und Gleiche gestalten d\u00fcrfen, ist in Gefahr. Gef\u00e4hrdet durch die Kriegstreiberei und den Machtanspruch der Autokraten dieser Welt. Der Krieg gegen die Ukraine, die Niederschlagung der Demokratie in Hongkong oder der Kapitolsturm in Washington am 6. Januar des letzten Jahres sind nur drei Beispiele, die uns diese Gefahr drastisch vor Augen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo die Demokratie, Menschenrechte, Frieden und Freiheit unter Beschuss geraten, erh\u00e4lt die Frage nach der Heimat eine ganz neue, eine brutale Dringlichkeit. Die wunderbare Heimat-Definition von alt Bundesrat Willi Ritschard, wonach Heimat da ist, wo man keine Angst zu haben braucht, wird f\u00fcr zu viele Menschen auf der Welt in Frage gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ils f\u00fcgitivs da l\u2019Ucraina, da l\u2019Afghanistan, da la Siria o da l\u2019Eritrea ans pon quintar tristas istorgias da lur patria. E per nus, cha nus vain il privilegi da viver sainza temma stoja per quai esser cler: scha nossa patria es la democrazia ed il stadi da dret, lura es ella eir gronda avonda per quels chi tscherchan ref\u00fcgi, protecziun e perspectivas.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich in Europa die Erkenntnis durchgesetzt, dass einzelne, sich konkurrierende oder sogar bek\u00e4mpfende Nationalstaaten oder Imperien keine Garanten f\u00fcr Frieden, Wohlstand und Fortschritt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsame Regeln, Zusammenarbeit und europ\u00e4ische Integration sind es hingegen. La Cum\u00fcnanza europeica e pl\u00fc tard l\u2019Uniun han svilp\u00e0 inavant l\u2019idea da stadi da dret e da democrazia.<\/p>\n\n\n\n<p>Die europ\u00e4ische Integration hat den Heimatbegriff vieler Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er erweitert. Und weil diese Einigung eben eine Absage an imperiale Alleing\u00e4nge und autokratische Gel\u00fcste ist, ist sie den Diktatoren wie Putin oder Lukaschenko ein so grosser Dorn im Auge.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist unsere Heimat?<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich das gemeinsame, demokratische Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>Nus fain festa quia a Scuol s\u00fclla Motta Naluns. Quia es nos vaschinadi ed eir nos spiert europeic evidaint. Be pacs cum\u00fcns pon pretender dad avair duos vaschins europeics. No sperain e lavurain insembel cun blers ingaschats per cha \u00fcn bel di quist vaschinadi sia eir coli\u00e0 cun \u00fcn tren direct. Scuol-Mals f\u00fcss \u00fcna bella ouvra engiadinaisa ed europeica!<\/p>\n\n\n\n<p>Dass ich Europa selbstverst\u00e4ndlich als Heimat verstehe, hat auch mit meiner pers\u00f6nlichen Geschichte und mit der Geschichte meiner Familie zu tun. Ich bin Doppelb\u00fcrger. Neben der schweizerischen habe ich auch die italienische Staatsb\u00fcrgerschaft. Meine Mutter ist in Rom und Florenz aufgewachsen. Meine Grosseltern und Urgrosseltern auf der italienischen Seite habe die zwei Weltkriege direkt erlebt, den europ\u00e4ischen Albtraum, in den uns Nationalismus und Faschismus getrieben haben. Nur wenige Kilometer von hier entfernt im S\u00fcdtirol finden wir noch immer die Soldatengr\u00e4ber des Ersten Weltkriegs.<\/p>\n\n\n\n<p>L\u2019Europa nun es \u00fcn \u00abMoloch\u00bb b\u00fcrocratic. L\u2019Europa es la pasch e la democrazia. Europa ist kein Suprastaat, der uns pers\u00f6nliche Freiheiten raubt. Europa und die Europ\u00e4ische Union sind das Resultat der wichtigsten Lektion der Geschichte: Dass unsere Heimat nur Bestand hat, wenn sie mit anderen Heimaten kompatibel ist.<\/p>\n\n\n\n<p>La Svizra fa part da quista Europa. Istoricamaing, culturalmaing ed eir politicamaing. Cun ils contrats bilaterals faina part dal proget d\u2019integraziun da l\u2019Europa. Nus vain per exaimpel ingrond\u00ec nossa patria cun la libra circulaziun da persunas. E quai a nos avantatg! Noss ospidals, nos hotels e restorants, nossas uffizinas e nos plazzals da fabrica, nossas chasas da ch\u00fcra e bler oter nu funcziuness sainza l\u2019integraziun europeica e sainza la libra circulaziun.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dieser so genannte \u00abbilaterale Weg\u00bb ist eine L\u00f6sung auf Zeit. Und nun st\u00f6sst er an seine strukturellen Grenzen. Weshalb?<\/p>\n\n\n\n<p>Zentral f\u00fcr das Zustandekommen der Bilateralen Vertr\u00e4ge war die Erwartung auch der EU, dass der schrittweise Beitritt zum Binnenmarkt den Weg zur Vollmitgliedschaft der Schweiz ebnen w\u00fcrde. Sp\u00e4testens mit dem R\u00fcckzug des Beitrittsgesuchs gibt es diese Perspektive nicht mehr. Die EU sieht seither die Einheitlichkeit ihres EU-Rechts durch Sondervertr\u00e4ge mit der Schweiz gef\u00e4hrdet. Dann kommt der Fakt hinzu, dass die Schweiz seit der EU-Osterweiterung mit fast doppelt so vielen Mitgliedern verhandeln muss wie zuvor. Mit Mitgliedern notabene, denen in den Verhandlungen \u00fcber ihren EU-Beitritt keinerlei Ausnahmen gew\u00e4hrt wurden. Das verringert die Akzeptanz f\u00fcr eine Schweizer Sonderl\u00f6sung. Und mit dem Brexit verschlechterte sich die Verhandlungsposition der Schweiz noch weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist unsere Heimat?<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich lautet eine Antwort darauf, besonders am 1. August: Die Schweiz ist unsere Heimat! Wir tun gut daran, diese nicht kleiner zu machen, als sie ist. Wir sollten ihr einen guten Platz im europ\u00e4ischen Netz der Heimaten sichern. Was es jetzt braucht, ist eine klare Strategie hin zu einer institutionellen Zusammenarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurzfristig ein Stabilisierungsabkommen, das unter anderem die gef\u00e4hrdete Teilnahme an den europ\u00e4ischen Forschungs- und Bildungsprogrammen sichert. Mittelfristig braucht es eine Assoziierung mit der EU. Das heisst, wir m\u00fcssen die vielen einzelnen sondervertraglichen L\u00f6sungen auf ein einziges tragf\u00e4higes Wirtschafts- und Kooperationsabkommen vereinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ja, langfristig m\u00fcssen wir uns vorurteilsfrei und sachlich \u00fcber einen EU-Beitritt unterhalten. Europa entwickelt sich weiter. Die Schweiz h\u00e4tte dazu viel beizutragen. Abseits zu stehen und unfreiwillig Gesetze nachzuvollziehen, schleichend den Zugang zum Binnenmarkt und pers\u00f6nlichen Freiheiten zu verlieren, ist eine schlechte Option. Sie geht wieder mehr in Richtung der letztlich undemokratischen Schicksalsergebenheit statt der Selbstbestimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>So, nun habe ich in Bezug auf die Heimat vor allem \u00fcber die grossen geo- bis europapolitischen Zusammenh\u00e4nge gesprochen. Und ich kann es niemandem ver\u00fcbeln, der sagt: Moment, Heimat ist doch viel intimer. Heimat ist regional, lokal, famili\u00e4r. Das stimmt. Denn Heimat ist eben vielschichtig. Verankerung ist wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Il Grischun es mia patria. Sia cultura multifara. Sias trais linguas e ses blers idimos e dialects sun mia patria. Sia cultura e sia nat\u00fcra sun mia patria. \u00dcna patria ch\u2019eu v\u00f6gl proteger e ch\u00fcrar. Proteger nossa nat\u00fcra ed il clima sun \u00fcn act patriotic! Avair jent nossa cultura e dovrar nossa lingua sun acts d\u2019amur per nossa cum\u00fcnanza.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Unterengadin ist meine Heimat. Ich k\u00f6nnte \u00fcber meine Verankerung hier noch viele sch\u00f6ne Worte verlieren. Doch Pathos habt ihr in meiner Rede schon genug geh\u00f6rt. Zum Schluss m\u00f6chte ich noch auf eine sehr dringliche Frage rund um die Heimat zu sprechen kommen. Eine Frage, die sich hier im Unterengadin besonders stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was tun, wenn sich Menschen ihre Heimat nicht mehr leisten k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verdr\u00e4ngungseffekte durch den Zweitwohnungsbau und die Immobilienspekulation f\u00fchren dazu, dass es f\u00fcr die arbeitende Bev\u00f6lkerung im Unterengadin immer schwieriger wird, sich das Wohnen zu leisten. Einstmals belebte Dorfkerne verlieren ihre Lebendigkeit und ihre soziale Funktion. Orte der Gemeinschaft verschwinden. Das Ausweichen auf die gr\u00fcne Wiese ist keine Option. Auch die B\u00fcndner Bev\u00f6lkerung hat \u2013 zu Recht \u2013 Ja gesagt zu einem Raumplanungsgesetz, dass schonend mit der endlichen Ressource des Bodens umgeht. Doch nun drohen hier im Tal Abwanderung und reine Kulissend\u00f6rfer.<\/p>\n\n\n\n<p>Was tun dagegen? Klar, die Politik ist gefordert. Die Gemeinden m\u00fcssen aktiv Wohnbaupolitik und Raumplanung betreiben. Und auch der nationale Gesetzgeber k\u00f6nnte aktiv werden. Ein paar Ideen h\u00e4tte ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es ist besser, wenn der dringende Aufruf nicht von einem Nationalrat kommt, sondern wenn die Bev\u00f6lkerung das Heft des Handelns selbst in die Hand nimmt. So wie es hier im Unterengadin die Societ\u00e0 Anna Florin macht. Ich erlaube mir, kurz von ihrer Webseite zu zitieren:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abLa societ\u00e0 sustegna als cum\u00fcns in lur lezchas resultadas tras las fusiuns e tils motivescha da far frunt al march\u00e0 d\u2019immobiglias da seguondas abitaziuns. L\u00f6s d\u2019inscunter pella populaziun dessan gnir mantgn\u00fcts e nouvs dessan gnir creats. Anna Florin sensibilisescha a las abitantas ed als abitants dals cum\u00fcns sco eir a las possessuras ed als possessurs da seguondas abitaziuns pellas pussibiltats d\u2019\u00fcna cum\u00fcnanza viva ed animescha da ch\u00fcrar il plaschair da viver in Engiadina Bassa.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil es so wichtig ist auch noch auf Deutsch. Der Verein Anna Florin:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00ab(\u2026) ermutigt und unterst\u00fctzt die Gemeinden, den Konsequenzen von Gemeindefusionen und dem Druck des Zweitwohnungs-Immobilienmarkts entgegenzuwirken, bestehende R\u00e4ume f\u00fcr die Dorfgemeinschaften zu bewahren und Neue zu f\u00f6rdern. Anna Florin sensibilisiert die Bewohner:innen und die Zweitwohnungsbesitzer:innen f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten einer vitalen Gemeinschaft und animiert sie dazu sich aktiv und nachhaltig f\u00fcr die Lebensqualit\u00e4t im Unterengadin einzubringen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde das eine sehr wichtige Sache und lege allen, die sich f\u00fcr das Unterengadin engagieren m\u00f6chten, eine Mitgliedschaft bei Anna Florin nahe. Auf die Frage \u00abWas ist unsere Heimat?\u00bb liefert Anna Florin n\u00e4mlich die \u00fcberzeugendste Antwort \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p><a>Unsere Heimat ist, was wir aus unserer Heimat machen.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nossa patria es quai cha nus fain landroura.<\/p>\n\n\n\n<p>Grazcha fichun per vossa attenziun e bun 1. avuost a nus tuots!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hoz es ils 1. avuost, nossa festa naziunala. A pr\u00fcma \u00f6gliada nun es quai \u00fcna chosa cumplichada, anzi ella es simpla: nus festagiain nossa patria.<\/p>\n<p>F\u00fcr einmal gef\u00e4llt mir das deutsche Wort besser als das romanische, weil es ohne patriarchale Etymologie auskommt: wir feiern nossa patria, unsere Heimat. Das ist prima vista eine einfache Sache. Doch auf den zweiten Blick gestaltet sie sich verzwickter. Dann n\u00e4mlich, wenn wir uns fragen, was denn genau unsere Heimat ist. 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