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Die Fremdspracheninitiative ist ein Angriff auf Graubünden

Posted by: on Aug 14, 2018 | No Comments

Präambeln von Verfassungen dienen der Erklärung des höchsten Zwecks eines Staatswesens. Sie stellen eine Art gesellschaftlichen Basiskonsens dar. So auch die Präambel unserer Bündner Kantonsverfassung.

Zu Recht spricht sie die aufklärerischen Grundwerte wie Freiheit, Frieden, Menschenwürde, Demokratie, Rechtsstaat, soziale Gerechtigkeit oder gesunde Umwelt an. Spezifisch für Graubünden sagt sie aber auch: «Wir das Volk des Kantons Graubünden, (…) in der Absicht, die Dreisprachigkeit und kulturelle Vielfalt zu fördern und als Teil des geschichtlichen Erbes zu bewahren, geben uns folgende Verfassung.» Die Bündner Dreisprachigkeit ist für das Volk als Verfassungsgeber also nichts weniger als eine Raison d’Être Graubündens!

Am 23. September stimmen wir über die Volksinitiative «Nur eine Fremdsprache in der Primar- schule (Fremdspracheninitiative)» ab. Der Grosse Rat lehnt sie mit 93 zu 17 Stimmen bei 1 Enthaltung ab. Auch die SP-Fraktion lehnte diese Initiative in der Debatte engagiert und einstimmig ab. Warum? Weil die SP zusammen mit der Regierung und den Sprach- und Kulturorganisationen die Präambel der Kantonsverfassung ernst nimmt und die Bündner Dreisprachigkeit «fördern» und «bewahren»  statt schwächen will. Für uns ist die Vorstellung inakzeptabel, dass die Kinder in Romanisch- und Italienischbünden in der Primarschule mit Deutsch eine zweite Kantonssprache lernen, während ihre Kolleginnen und Kollegen in Deutschbünden Englisch lernen. Dies würde nicht nur die romanisch- und italienischsprachigen Kinder diskriminieren, es würde auch unsere Dreisprachigkeit empfindlich schwächen. Denn trotz den zum Teil anderslautenden Beteuerungen der Initianten ist ihr Text glasklar: Wird die Initiative angenommen, unterrichtet man künftig an der Bündner Primarschule je nach Sprachregion nur noch Deutsch oder Englisch als Fremdsprache. Einen Ermessensspielraum bei der Umsetzung gibt es nicht. Die Annahme wäre somit ein sehr harter Schlag für die Dreisprachigkeit und somit für ein Wesensmerkmal Graubündens. 

Dieser Angriff auf einen zentralen Wert unseres Kantons müssen wir abwehren. Und zwar unabhängig davon, ob wir mehr oder weniger berechtigte Zweifel an der Qualität und Wirksamkeit des heutigen Fremdsprachunterrichts haben. Unser Nein zur Diskriminierung eines Teils unserer Kinder und zu einem mutwillige Angriff auf unsere Dreisprachigkeit kennt nämlich keine Zweifel.

Dieser Beitrag erscheint in der Zeitschrift Concret der SP Graubünden.