{"id":878,"date":"2019-07-04T13:55:04","date_gmt":"2019-07-04T11:55:04","guid":{"rendered":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/?p=878"},"modified":"2025-09-05T13:32:24","modified_gmt":"2025-09-05T11:32:24","slug":"hoechste-elternzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/hoechste-elternzeit\/","title":{"rendered":"H\u00f6chste Elternzeit"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Familienpolitik ist die Schweiz im europ\u00e4ischen Vergleich grausam im R\u00fcckstand. Die externen Betreuungskosten sind f\u00fcr Familien \u00fcberdurchschnittlich hoch, in vielen l\u00e4ndlichen Regionen fehlen immer noch die Betreuungsangebote und der gesetzliche Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen ist viel zu kurz. Vom nicht vorhandenen Vaterschaftsurlaub wollen wir gar nicht sprechen. Dass der St\u00e4nderat sich nun durchgerungen hat, einen Mini-Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen zu gew\u00e4hren und dies in den Medien als Durchbruch gefeiert wird, zeigt, wie r\u00fcckschrittlich die b\u00fcrgerliche Mehrheit denkt und handelt, wenn es um die Familie geht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser R\u00fcckstand ist \u00fcbrigens einer der wichtigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr die Ungleichheit zwischen Frau und Mann bei L\u00f6hnen und Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zu Recht sind am 14. Juni hunderttausende Frauen und einige solidarische M\u00e4nner gegen diese Ungerechtigkeit auf die Strasse gegangen. Nun muss diese Energie m\u00f6glichst rasch in politische Ver\u00e4nderung umgem\u00fcnzt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei m\u00fcssen wir Klartext reden. Gerade auch gegen\u00fcber denjenigen W\u00f6lfen (und leider auch W\u00f6lfinnen) im Schafspelz, die sich \u00abliberal\u00bb geben und daraus eine bremsende Haltung in der Familienpolitik ableiten. In einer liberalen Gesellschaft sollen Familien selber entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten. Der Staat soll sich heraushalten. Das sagen Konservative, die sich als Liberale tarnen und so versuchen, eine fortschrittliche Familienpolitik zu verhindern. Dabei ist die propagierte Entscheidungsfreiheit heute eben nicht gegeben!<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne gemeinsame Elternzeit, mit den viel zu hohen Betreuungskosten und der immer noch stossenden Lohnungleichheit arbeiten am Schluss in zu vielen F\u00e4llen V\u00e4ter Vollzeit und M\u00fctter Teilzeit. Ob sie das nun urspr\u00fcnglich gewollt haben oder nicht. Im Mutterschaftsurlaub, den die Frau weitgehend alleine verbringt, verfestigen sich herk\u00f6mmliche Muster. Die Mutter wird zur Erziehungsexpertin, der Vater bleibt famili\u00e4re Hilfskraft. Dies f\u00fchrt wiederum dazu, dass der Arbeitsmarkt Frauen benachteiligt, was eine Grundlage f\u00fcr Lohnungleichheit ist. Und so werden auch Familien, die sich vorgenommen haben, eine gleichberechtigte Aufgabenteilung zu leben, ausgebremst. Das ist f\u00fcr alle frustrierend. Darum brauchen wir nicht pseudo-liberale Phrasen, sondern mutige politische Taten, die den beschriebenen Teufelskreis durchbrechen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Erstens<\/em>braucht es eine gemeinsame, bezahlte Elternzeit, die gleiche Bedingungen f\u00fcr M\u00fctter und V\u00e4ter schafft. Das Paar soll gemeinsam alle famili\u00e4ren Vor- und eben auch alle arbeitsmarktlichen Nachteile teilen. So entsteht Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern und echte Entscheidungsfreiheit f\u00fcr die Familien.&nbsp;<em>Zweitens<\/em>m\u00fcssen die Kosten f\u00fcr die ausserfamili\u00e4re Kinderbetreuung runter. Da stehen f\u00fcr die Finanzierung auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Schliesslich profitieren sie von den gut ausgebildeten Arbeitskr\u00e4ften. Und<em>drittens<\/em>muss die Lohngleichheit endlich durchgesetzt werden \u2013 n\u00f6tigenfalls mit scharfen Sanktionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit des Hinhaltens und der Pfl\u00e4sterlipolitik ist abgelaufen. Wir brauchen jetzt einen Sprung nach vorn. F\u00fcr die Gleichstellung. F\u00fcr echte Wahlfreiheit der Familien.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag ist am 5. Juli 2019 als Kolumne im B\u00fcndner Tagblatt erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Familienpolitik ist die Schweiz im europ\u00e4ischen Vergleich grausam im R\u00fcckstand. Die externen Betreuungskosten sind f\u00fcr Familien \u00fcberdurchschnittlich hoch, in vielen l\u00e4ndlichen Regionen fehlen immer noch die Betreuungsangebote und der gesetzliche Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen ist viel zu kurz. Vom nicht vorhandenen Vaterschaftsurlaub wollen wir gar nicht sprechen. 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