{"id":5684,"date":"2026-05-12T12:41:19","date_gmt":"2026-05-12T10:41:19","guid":{"rendered":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/?p=5684"},"modified":"2026-05-12T12:41:38","modified_gmt":"2026-05-12T10:41:38","slug":"keine-aussenpolitische-selbstverstuemmelung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/keine-aussenpolitische-selbstverstuemmelung\/","title":{"rendered":"Keine aussenpolitische Selbstverst\u00fcmmelung"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-1024x683.jpg.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-3004\" srcset=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-1024x683.jpg.webp 1024w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-300x200.jpg.webp 300w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-768x512.jpg.webp 768w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-1536x1024.jpg.webp 1536w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-2048x1365.jpg.webp 2048w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-1200x800.jpg.webp 1200w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-50x33.jpg.webp 50w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-75x50.jpg.webp 75w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-100x67.jpg.webp 100w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-150x100.jpg.webp 150w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-960x640.jpg.webp 960w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-640x427.jpg.webp 640w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-1152x768.jpg.webp 1152w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-1620x1080.jpg.webp 1620w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/05\/Foto-POLITIK-1920x1280.jpg.webp 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jon Pult, Nationalrat SP-GR, portraitiert am 16. Dezember 2019 in Bern. (KEYSTONE\/Gaetan Bally)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Volksinitiative \u00abKeine 10-Millionen-Schweiz!\u00bb, \u00fcber die Volk und St\u00e4nde am 14. Juni entscheiden, ist weit mehr als ein innenpolitisches Projekt zur Begrenzung der Zuwanderung. Sie ist ein fundamentaler Angriff auf die aussenpolitischen Grundlagen unseres Landes. W\u00fcrde die Initiative angenommen, h\u00e4tte dies eine der schwersten selbstverschuldeten Besch\u00e4digungen der schweizerischen Aussenpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg zur Folge.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Initiative w\u00fcrde unser Land dazu zwingen, zentrale internationale Verpflichtungen aufzugeben \u2013 nicht aufgrund geopolitischer Zw\u00e4nge oder internationaler Krisen, sondern allein wegen eines starren Bev\u00f6lkerungsdeckels in der Verfassung. Die Schweiz w\u00fcrde damit ihre eigene Handlungsf\u00e4higkeit mutwillig einschr\u00e4nken und ihre Glaubw\u00fcrdigkeit als Vertragspartnerin und Anw\u00e4ltin des V\u00f6lkerrechts massiv besch\u00e4digen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum steht das Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen mit der EU. Die Initianten tun gerne so, als handle es sich dabei um ein isoliertes Migrationsabkommen. Tats\u00e4chlich ist die Personenfreiz\u00fcgigkeit jedoch eine der vier Grundfreiheiten des europ\u00e4ischen Binnenmarkts. Wer sie k\u00fcndigt, stellt die gesamte Logik des bilateralen Wegs infrage.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau deshalb w\u00fcrde die Initiative weit \u00fcber die Zuwanderung hinausreichen. Aufgrund der Guillotineklausel st\u00fcnden mit dem Ende der Personenfreiz\u00fcgigkeit s\u00e4mtliche Bilateralen I auf dem Spiel. Dar\u00fcber hinaus gerieten zentrale Abkommen der Bilateralen II unter Druck \u2013 insbesondere die Beteiligung an Schengen und Dublin. Auch die Bilateralen III w\u00e4ren damit infrage gestellt. Die Schweiz w\u00fcrde sich damit in einer Zeit globaler Unsicherheit ausgerechnet von jenem europ\u00e4ischen Raum entfremden, auf den sie wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und geopolitisch angewiesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Initiative h\u00e4tte jedoch noch weitreichendere Konsequenzen. Ihre Umsetzung w\u00fcrde eine ganze Kaskade internationaler Verpflichtungen infrage stellen. Betroffen w\u00e4ren \u2013 zus\u00e4tzlich zum Freiz\u00fcgigkeitsabkommen, den Bilateralen I und II sowie dem EFTA-\u00dcbereinkommen \u2013 fundamentale menschenrechtliche Verpflichtungen, darunter:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die UNO-Fl\u00fcchtlingskonvention mitsamt Zusatzprotokollen,<\/li>\n\n\n\n<li>die Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention (EMRK),<\/li>\n\n\n\n<li>die UNO-Kinderrechtskonvention,<\/li>\n\n\n\n<li>der UNO-Pakt II \u00fcber b\u00fcrgerliche und politische Rechte,<\/li>\n\n\n\n<li>m\u00f6glicherweise auch weitere Menschenrechts- und Schutzabkommen wie die Istanbul-Konvention oder das \u00dcbereinkommen zur Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Damit w\u00fcrde die Schweiz ausgerechnet jene internationale Rechtsordnung schw\u00e4chen, zu deren Aufbau und Verteidigung sie w\u00e4hrend Jahrzehnten beigetragen hat. Ein Land, das regelm\u00e4ssig f\u00fcr Menschenrechte, V\u00f6lkerrecht, multilaterale Zusammenarbeit und internationale Gouvernanz eintritt, w\u00fcrde pl\u00f6tzlich selbst beginnen, internationale Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte zur Disposition zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders gravierend w\u00e4re die Infragestellung der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention. Die EMRK ist nicht irgendein Vertrag. Sie bildet das Fundament des europ\u00e4ischen Menschenrechtsschutzes nach 1945 \u2013 eine direkte Antwort auf Krieg, Faschismus und staatliche Willk\u00fcr in Europa. W\u00fcrde die Schweiz ihre Einhaltung relativieren oder gar ihre Mitgliedschaft im Europarat aufs Spiel setzen, w\u00e4re das nicht einfach ein juristischer Vorgang, sondern ein historischer Bruch mit den Institutionen und Werten des Nachkriegseuropas.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt ein fundamentaler Widerspruch: Dieselben politischen Kr\u00e4fte, die permanent von \u00abSouver\u00e4nit\u00e4t\u00bb sprechen, w\u00fcrden die Schweiz in Europa isolieren und ihre reale Handlungsfreiheit massiv reduzieren. Denn Souver\u00e4nit\u00e4t entsteht heute nicht durch Abschottung, sondern durch verl\u00e4ssliche Partnerschaften, stabile Regeln und internationale Einbindung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in einer Zeit wachsender geopolitischer Spannungen w\u00e4re die Annahme dieser Initiative deshalb ein Akt der aussenpolitischen Selbstverst\u00fcmmelung. W\u00e4hrend Europa sicherheits-, energie- und wirtschaftspolitisch enger zusammenr\u00fcckt, w\u00fcrde sich die Schweiz selbst an den Rand stellen. Und in einer Zeit, in der Menschenrechte und V\u00f6lkerrecht weltweit unter Druck stehen, w\u00fcrde sich die Schweiz faktisch auf die Seite jener Kr\u00e4fte schlagen, die diese zivilisatorischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts zur\u00fcckdrehen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 14. Juni geht es deshalb um weit mehr als um Migrationspolitik. Es geht um die Entscheidung, welche Art von Land die Schweiz sein will. Ein verl\u00e4sslicher, offener, menschlicher und souver\u00e4ner Staat im Zentrum Europas. Oder ein Land, das aus migrationspolitischer Nervosit\u00e4t beginnt, seine eigenen internationalen Fundamente einzureissen \u2013 und damit seine humanit\u00e4ren und demokratischen Werte preiszugeben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Text ist zuerst als pr\u00e4sidiales Editorial auf der <a href=\"https:\/\/www.aussenpolitik.ch\/keine-aussenpolitische-selbstverstuemmelung\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.aussenpolitik.ch\/keine-aussenpolitische-selbstverstuemmelung\/\">Website der SGA ASPE<\/a> erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Volksinitiative \u00abKeine 10-Millionen-Schweiz!\u00bb, \u00fcber die Volk und St\u00e4nde am 14. Juni entscheiden, ist weit mehr als ein innenpolitisches Projekt zur Begrenzung der Zuwanderung. Sie ist ein fundamentaler Angriff auf die aussenpolitischen Grundlagen unseres Landes. W\u00fcrde die Initiative angenommen, h\u00e4tte dies eine der schwersten selbstverschuldeten Besch\u00e4digungen der schweizerischen Aussenpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg zur Folge.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3004,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"wds_primary_category":1,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5684","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5684","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5684"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5684\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5686,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5684\/revisions\/5686"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3004"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5684"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5684"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5684"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}