{"id":5668,"date":"2026-04-08T07:40:03","date_gmt":"2026-04-08T05:40:03","guid":{"rendered":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/?p=5668"},"modified":"2026-04-08T07:40:35","modified_gmt":"2026-04-08T05:40:35","slug":"chaos-mit-ansage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/chaos-mit-ansage\/","title":{"rendered":"Chaos mit Ansage"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"920\" height=\"625\" src=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/csm_Visual-Vorkampagne_3x2_klein_de_10996fbf40.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-5669\" srcset=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/csm_Visual-Vorkampagne_3x2_klein_de_10996fbf40.webp 920w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/csm_Visual-Vorkampagne_3x2_klein_de_10996fbf40-300x204.webp 300w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/csm_Visual-Vorkampagne_3x2_klein_de_10996fbf40-768x522.webp 768w\" sizes=\"(max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Einmal mehr macht die SVP mit ihrer \u00abKeine 10-Millionen-Schweiz!\u00bb-Initiative Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder zu S\u00fcndenb\u00f6cken f\u00fcr reale und vermeintliche Probleme. Zynischerweise nennt sie ihr extremes Projekt auch \u00abNachhaltigkeits\u00bb-Initiative. Treffender ist der Name der Gegnerschaft: \u00abChaos-Initiative\u00bb. Denn eine Annahme w\u00fcrde unser Land tats\u00e4chlich ins aussenpolitische, wirtschaftliche und versorgungspolitische Chaos st\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Initiative f\u00fchrt einen starren Bev\u00f6lkerungsdeckel ein \u2013 ein gef\u00e4hrliches Experiment. Mit Folgen, die schnell sp\u00fcrbar w\u00e4ren. Denn die Initiative zwingt den Bundesrat bereits ab 9,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, also bei einem Bev\u00f6lkerungswachstum um nur 4 Prozent, internationale Vertr\u00e4ge wie das Freiz\u00fcgigkeitsabkommen neu zu verhandeln oder zu k\u00fcndigen. Das Problem ist: Genau diese Neuverhandlungen sind v\u00f6llig unrealistisch. Selbst der Bundesrat h\u00e4lt sie f\u00fcr nicht umsetzbar, weil die Personenfreiz\u00fcgigkeit eine Grundfreiheit Europas ist. Es bliebe nur die K\u00fcndigung und damit wegen der Guillotine-Klausel der Wegfall des gesamten bilateralen Vertragsverh\u00e4ltnisses zwischen der Schweiz und der EU. Angesichts der aktuellen geopolitischen Unsicherheit w\u00e4re dieser Bruch mit unseren Nachbarn verheerend.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirtschaftlich w\u00e4re der Schaden enorm. Mit den Bilateralen fiele auch der Zugang zum europ\u00e4ischen Binnenmarkt weg. Das w\u00fcrde den Handel mit unseren Nachbarstaaten ins Chaos st\u00fcrzen. Als ob Trumps Z\u00f6lle, der Krieg im Nahen Osten und Putins Angriff gegen die Ukraine nicht schon gen\u00fcgend Unsicherheit f\u00fcr unsere Wirtschaft bringen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast noch gravierender ist, dass die Initiative die Realit\u00e4t unseres Arbeitsmarkts und unsere Altersstruktur ignoriert. Schon heute fehlen Arbeitskr\u00e4fte in vielen Branchen und der Anteil der Pensionierten an der Gesamtbev\u00f6lkerung steigt. So wurde rund die H\u00e4lfte der \u00c4rztinnen und \u00c4rzte in der Schweiz im Ausland ausgebildet, rund ein Drittel des Pflegepersonals stammt aus der EU. Wie sollen wir unsere Spit\u00e4ler und Heime mit einem starren Bev\u00f6lkerungsdeckel in Zukunft betreiben?<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders gravierend w\u00e4re der Schaden f\u00fcr Graub\u00fcnden. Unser Kanton w\u00e4chst deutlich weniger als der Rest der Schweiz, altert aber deutlich schneller als der Durchschnitt. Die Versorgung aufrechtzuerhalten ist schon heute eine Herausforderung. Die Initiative w\u00fcrde Graub\u00fcnden definitiv ins Abseits man\u00f6vrieren. Wir k\u00f6nnten k\u00fcnftig kaum noch Arbeitskr\u00e4fte aus dem Ausland rekrutieren und w\u00fcrden gleichzeitig mehr an andere Kantone verlieren. Denn im versch\u00e4rften Wettbewerb w\u00fcrde es die Leute noch st\u00e4rker in die grossen Agglomerationen des Unterlands und innerhalb des Kantons vermehrt von der Peripherie ins Churer Rheintal ziehen. Die Folge w\u00e4re, dass wir in vielen Regionen Spit\u00e4ler, Pflegeheime, Schulen, Restaurants und Hotels schliessen m\u00fcssten. Schlicht, weil es zu wenig Personal g\u00e4be.<\/p>\n\n\n\n<p>Die SVP-Initiative l\u00f6st kein einziges Problem. Sie schafft aber viele neue \u2013 und trifft einen Bergkanton wie Graub\u00fcnden besonders heftig. Wer sie annimmt, nimmt massiven wirtschaftlichen Schaden, einen akuten Versorgungsnotstand und die aussenpolitische Isolation unseres Landes in Kauf. Gut, dass wir dieses Chaos am 14. Juni abwenden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Text ist am 8. April 2026 als Kolumne in der S\u00fcdostschweiz erschienen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einmal mehr macht die SVP mit ihrer \u00abKeine 10-Millionen-Schweiz!\u00bb-Initiative Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder zu S\u00fcndenb\u00f6cken f\u00fcr reale und vermeintliche Probleme. 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