{"id":3099,"date":"2023-06-28T08:52:25","date_gmt":"2023-06-28T06:52:25","guid":{"rendered":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/?p=3099"},"modified":"2025-09-05T13:06:40","modified_gmt":"2025-09-05T11:06:40","slug":"strassenverkehr-intelligenz-statt-beton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/strassenverkehr-intelligenz-statt-beton\/","title":{"rendered":"Strassenverkehr: Intelligenz statt Beton"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized is-style-default\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/06\/Autobahnen-2.png.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-3104\" width=\"751\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/06\/Autobahnen-2.png.webp 751w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/06\/Autobahnen-2-300x197.png.webp 300w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/06\/Autobahnen-2-50x33.png.webp 50w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/06\/Autobahnen-2-76x50.png.webp 76w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/06\/Autobahnen-2-100x66.png.webp 100w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/06\/Autobahnen-2-153x100.png.webp 153w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2023\/06\/Autobahnen-2-640x419.png.webp 640w\" sizes=\"(max-width: 751px) 100vw, 751px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Bluewin.ch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der New Yorker Verkehrsexperte Lewis Mumford wusste schon vor 70 Jahren: Mehr Strassen bauen ist wie \u00abseinen Hoseng\u00fcrtel \u00f6ffnen, um \u00dcbergewicht loszuwerden.\u00bb Wer die Strassen ausbaut, schafft mehr Verkehr. Das ist wissenschaftlich belegt, wie auch der Schweizer Mobilit\u00e4tsforscher Thomas Sauter-Servaes k\u00fcrzlich best\u00e4tigte: \u00abWer Strassen s\u00e4t, wird Verkehr ernten\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Fachsprache heisst das Ph\u00e4nomen \u00abinduzierte Nachfrage\u00bb. Eine Vergr\u00f6sserung des Angebots f\u00fchrt dazu, dass wir das erweiterte Angebot st\u00e4rker nutzen als vorher \u2013 so dass die Nachfrage bald noch gr\u00f6sser wird als das vergr\u00f6sserte Angebot.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schweizer Bev\u00f6lkerung wusste das schon 1994. Damals nahm sie gegen den Willen von Bundesrat und Parlament der Alpeninitiative an und verbot so den Ausbau der Transitstrassen-Kapazit\u00e4ten in den Schweizer Alpen. Die Mechanismen am Gotthard und am San Bernardino sind die gleichen wie am Gubrist und am Baregg \u2013 und wir alle k\u00f6nnen sie beobachten. Zus\u00e4tzliche Spuren verschieben den Stau kurzfristig zu neuen Engp\u00e4ssen und ziehen mittelfristig noch mehr Autos und Lastwagen an. Das Problem wird versch\u00e4rft statt gemildert. Abwegig ist darum auch die immer wieder auftauchende Forderung, dass man die beiden Gotthardr\u00f6hren nach dem Bau der zweiten Autobahnr\u00f6hre vierspurig befahren sollte. Die Schweizer Bev\u00f6lkerung wird die Verfassung nicht \u00e4ndern, damit wir am Gotthard \u2013 und in der Folge auch am San Bernardino \u2013 noch mehr Verkehr und Stau bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Umso unverst\u00e4ndlicher entscheidet die b\u00fcrgerliche Mehrheit im Nationalrat: Gegen die die Stimmen von SP, Gr\u00fcnen und Gr\u00fcnliberalen hat sie \u00fcber 5 Milliarden Franken f\u00fcr den Ausbau des Nationalstrassennetzes in den Regionen Bern, St. Gallen, Basel, Schaffhausen und Genfersee beschlossen. Genauso unverst\u00e4ndlich ist die Ank\u00fcndigung des Bundesrats, dass er einen Ausbau der Strecken Bern-Z\u00fcrich und Lausanne-Genf auf sechs Spuren anstrebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Glauben die B\u00fcrgerlichen in Bern der Wissenschaft nicht? Verstehen sie das Prinzip der induzierten Nachfrage nicht? Oder ist die Strassen- und Autolobby einfach so m\u00e4chtig, dass sie Fachargumente einfach in den Wind schl\u00e4gt?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich wird die Stimmbev\u00f6lkerung entscheiden, ob wir uns aus der Logik des ewigen Straussenausbaus und ebenso ewigen Staus befreien. Im Interesse unserer Lebensqualit\u00e4t, des haush\u00e4lterischen Umgangs mit unserem Boden und des Klimaschutzes sollten wir es unbedingt tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten den Anteil des Autoverkehrs reduzieren und mehr Mobilit\u00e4t auf den \u00d6V f\u00fcr l\u00e4ngere und auf das Velo f\u00fcr k\u00fcrzere Strecken verlagern. Damit wir die vorhandenen (grossen!) Strassenkapazit\u00e4ten optimal nutzen und Staus vermeiden, m\u00fcssen wir zudem die Verkehrsspitzen brechen. Ein effizientes und intelligentes System der Verkehrssteuerung sowie eine moderne Arbeitsorganisation mit flexibleren Arbeitszeiten k\u00f6nnen helfen. Nutzen wir also die Chancen der Digitalisierung und denken wir \u00fcber eine faire Bepreisung des Strassenverkehrs nach. Kurz: Wagen wir mehr Intelligenz statt Beton!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Text ist am 28. Juni 2023 als Kolumne in der S\u00fcdostschweiz erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der New Yorker Verkehrsexperte Lewis Mumford wusste schon vor 70 Jahren: Mehr Strassen bauen ist wie \u00abseinen Hoseng\u00fcrtel \u00f6ffnen, um \u00dcbergewicht loszuwerden.\u00bb Wer die Strassen ausbaut, schafft mehr Verkehr. 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Zus\u00e4tzliche Spuren verschieben den Stau kurzfristig zu neuen Engp\u00e4ssen und ziehen mittelfristig noch mehr Autos und Lastwagen an. Das Problem wird versch\u00e4rft statt gemildert. Abwegig ist darum auch die immer wieder auftauchende Forderung, dass man die beiden Gotthardr\u00f6hren nach dem Bau der zweiten Autobahnr\u00f6hre vierspurig befahren sollte. 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