{"id":2664,"date":"2022-07-01T18:38:00","date_gmt":"2022-07-01T16:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/?p=2664"},"modified":"2025-09-05T13:15:37","modified_gmt":"2025-09-05T11:15:37","slug":"kein-bueckling-vor-dem-aggressor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/kein-bueckling-vor-dem-aggressor\/","title":{"rendered":"Kein B\u00fcckling vor dem Aggressor"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"752\" src=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Appeasment-1024x752.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2666\" srcset=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Appeasment-1024x752.png 1024w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Appeasment-300x220.png.webp 300w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Appeasment-768x564.png 768w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Appeasment-50x37.png.webp 50w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Appeasment-68x50.png.webp 68w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Appeasment-100x73.png.webp 100w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Appeasment-136x100.png.webp 136w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Appeasment-871x640.png 871w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Appeasment-640x470.png 640w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Appeasment-1046x768.png 1046w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2022\/08\/Appeasment.png.webp 1198w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Schon 2008, nach der Aggression Putins gegen Georgien, wies Karikaturist Chappatte in der Zeitung &#8222;Le Temps&#8220; treffen auf die Gefahren einer Appeasement-Politik gegen\u00fcber dem russischen Regime hin. Schon damals ging es um die Gas-Abh\u00e4ngigkeit.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Putins brutaler Krieg gegen die Ukraine tobt seit \u00fcber vier Monaten. Tausende wurden get\u00f6tet, ein F\u00fcnftel des ukrainischen Staatsgebiets ist besetzt, Millionen mussten fliehen, Grossst\u00e4dte sind zerst\u00f6rt und die schrecklichen Bilder der Kriegsverbrechen lassen uns nicht mehr los. Verbrecherisch ist auch Putins Blockierung der Agrarexporte, die zu Hunger und Elend in vielen afrikanischen Staaten f\u00fchren k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig drohen wir in Westeuropa den Fokus zu verlieren. Unsere Angst vor einem Mangel an Gas und Strom oder vor der Inflation dominieren die heimische Debatte \u2013 und nicht mehr die Solidarit\u00e4t mit der Ukraine. Die Sorgen um Versorgungssicherheit und Kaufkraft sind berechtigt, d\u00fcrfen uns aber nicht dazu verleiten, den Ausweg in einem Kniefall vor dem Aggressor zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau dieser Versuchung erliegt SVP-Vizepr\u00e4sidentin Magdalena Martullo-Blocher. In einem NZZ-Interview fordert sie, Europa m\u00fcsse jetzt mit dem russischen Diktator in Verhandlungen treten, um russische Gaslieferungen zu sichern und die Kampfhandlungen zu beenden. \u00dcber das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine verliert sie kein Wort. Ein faktischer Diktat-Frieden, den Europa \u00fcber die K\u00f6pfe der ukrainischen Bev\u00f6lkerung hinweg mit Putin verhandeln w\u00fcrde, w\u00e4re aber eine politische Kapitulation Europas. Und eine Bankrotterkl\u00e4rung f\u00fcr unsere Werte. Putin w\u00fcsste, dass Europa mit Waffengewalt erpresst werden kann. Diesen Gefallen d\u00fcrfen wir dem Gewaltherrscher im Kreml nicht machen. Treffend disqualifiziert die b\u00fcrgerliche NZZ daher diese def\u00e4tistische SVP-Haltung: \u00abDass ausgerechnet die SVP, die sich stolz-patriotisch gibt, eine geschichtsvergessene Sicherheitspolitik betreibt, auf Appeasement gegen\u00fcber einem Diktator setzt und den Freiheitswillen des ukrainischen Volkes als vernachl\u00e4ssigbar behandelt, ist besch\u00e4mend.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>So ist es. Putins illegaler und imperialistischer Krieg darf nicht belohnt werden. Darum bleibt Europa und auch der Schweiz nichts anderes \u00fcbrig, als geeint die Ukraine zu unterst\u00fctzen. Putin muss politisch isoliert und seine Wirtschaft mit Sanktionen geschw\u00e4cht werden. Zugleich muss der Bundesrat im Verbund mit Europa alles tun, um Energiemangellagen sowie wirtschaftliche und soziale Verwerfungen zu verhindern. Wir m\u00fcssen im Hinblick auf n\u00e4chsten Winter Energie sparen und die Kaufkraft der Menschen sichern. Beides ist mach- und zumutbar. Pers\u00f6nliche Beitr\u00e4ge wie k\u00fcrzeres Duschen, Standby-Modus abschalten oder die Zimmertemperatur auf \u00abnur\u00bb 20 Grad einstellen, sind im Falle einer Mangellage nicht zu viel verlangt. Und \u00f6ffentliche Investitionen in mehr Krankenkassenverbilligung, einem Teuerungsausgleich bei AHV- und IV-Renten sowie einem \u00abch\u00e8que f\u00e9d\u00e9ral\u00bb&nbsp;zur Unterst\u00fctzung der Familien k\u00f6nnen wir uns als sehr reiches Land mit minimaler Verschuldung locker leisten. Nicht vergessen d\u00fcrfen wir auch unsere humanit\u00e4ren Verpflichtungen gegen\u00fcber den L\u00e4ndern Afrikas, denen eine Ern\u00e4hrungskrise droht. \u00dcber den n\u00e4chsten Winter hinaus m\u00fcssen wir uns mit massiven Investitionen in erneuerbare Energien von unserer Energieabh\u00e4ngigkeit befreien und m\u00f6glichst schnell Verkehr, Wohnen und Wirtschaft dekarbonisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war europ\u00e4ischer Zusammenhalt so wichtig \u2013 und so offensichtlich auch im Interesse der Schweiz. Unsere Sicherheit ist nur in einem europ\u00e4ischen Zusammenhang m\u00f6glich. Unsere internationale Glaubw\u00fcrdigkeit und die Verl\u00e4sslichkeit des Schweizer Rechtsstaats sterben, wenn wir angesichts von Putins Kriegsverbrechen auf Appeasement setzen. Gerade im Namen unserer aktiven Neutralit\u00e4t m\u00fcssen wir Partei ergreifen: F\u00fcr die St\u00e4rke des Rechts und gegen das Recht des St\u00e4rkeren.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Ukraine, f\u00fcr ein freies und sicheres Europa und f\u00fcr unsere Glaubw\u00fcrdigkeit als Schweiz brauchen wir mehr und nicht weniger europ\u00e4ischen Zusammenhalt. Was wir definitiv nicht brauchen, ist ein B\u00fcckling vor dem Aggressor.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Text ist am 1. Juli 2022 als Gastkommentar in der Zeitung B\u00fcndner Tagblatt erschienen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Putins brutaler Krieg gegen die Ukraine tobt seit \u00fcber vier Monaten. Tausende wurden get\u00f6tet, ein F\u00fcnftel des ukrainischen Staatsgebiets ist besetzt, Millionen mussten fliehen, Grossst\u00e4dte sind zerst\u00f6rt und die schrecklichen Bilder der Kriegsverbrechen lassen uns nicht mehr los. 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