{"id":1973,"date":"2020-08-01T20:47:59","date_gmt":"2020-08-01T18:47:59","guid":{"rendered":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/?p=1973"},"modified":"2025-09-05T13:40:10","modified_gmt":"2025-09-05T11:40:10","slug":"wer-die-schweiz-liebt-will-sie-verbessern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wer-die-schweiz-liebt-will-sie-verbessern\/","title":{"rendered":"Wer die Schweiz liebt, will sie verbessern"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2020\/08\/1.-August.jpg.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-1975\" srcset=\"https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2020\/08\/1.-August.jpg.webp 1024w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2020\/08\/1.-August-300x225.jpg.webp 300w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2020\/08\/1.-August-768x576.jpg.webp 768w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2020\/08\/1.-August-50x38.jpg.webp 50w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2020\/08\/1.-August-67x50.jpg.webp 67w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2020\/08\/1.-August-100x75.jpg.webp 100w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2020\/08\/1.-August-133x100.jpg.webp 133w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2020\/08\/1.-August-853x640.jpg.webp 853w, https:\/\/jonpult.ch\/wp-content\/smush-webp\/2020\/08\/1.-August-640x480.jpg.webp 640w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>1. August Ansprache 2020. Gehalten auf dem Weingut Gat&#8217;Luzi in Fl\u00e4sch, im Seniorenzentrum Cadonau in Chur und im Kulm Park in St. Moritz (im Bild).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 1. August feiern wir Jahr f\u00fcr Jahr die Schweiz. Wir kennen die Geschichten und Schlagworte. Freiheit, Gemeinsinn, Vielfalt zum Beispiel. Und als Kulisse unserer Reden dienen uns lodernde Feuer, wehende Fahnen und vor allem m\u00e4chtige Berge.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich liebe sie auch, unsere Berge. Darum setze ich mich als Pr\u00e4sident der Alpen-Initiative f\u00fcr ihren Schutz ein. An unserem Familienhaus in Sent h\u00e4ngen am 1. August Schweizer- und B\u00fcndner Fahnen. Ich habe auch schon H\u00f6henfeuer entz\u00fcndet. Und ja: Freiheit, Gemeinsinn und Vielfalt sind auch mir wichtig. Kurz: Ich mag die Traditionen des 1. August.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber: Das Abfeiern unserer tats\u00e4chlichen und vermeintlichen St\u00e4rken gen\u00fcgt nicht. So halten wir unsere Werte nicht hoch. So verbrauchen wir sie nur. Das stete Wiederholen alter Gewissheiten vernebelt n\u00e4mlich den kritischen Blick. Das schw\u00e4cht unsere F\u00e4higkeit, die Gegenwart zu verstehen, um die Zukunft zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungem\u00fctlich wird es, wenn Patriotismus in Nationalismus umschl\u00e4gt. Wenn aus Stolz auf die eigene Herkunft ein Wahn der \u00dcberlegenheit entsteht. Wenn nicht mehr die Liebe zur eigenen Heimat z\u00e4hlt, sondern die Ablehnung anderer Nationalit\u00e4ten. Darum sind Slogans wie \u00abAmerica first\u00bb oder \u00abprima gli italiani\u00bb so gef\u00e4hrlich. Sie schaffen unn\u00f6tige Gegens\u00e4tze und blenden die riesigen Gemeinsamkeiten von uns Menschen aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, mehr Nationalismus k\u00f6nnen wir nicht gebrauchen! Nirgendwo. Was wir brauchen, ist ein gesunder Patriotismus. Eine Liebe zur Heimat, die Menschen zusammenbringt, statt sie gegeneinander auszuspielen. Die in die Zukunft blickt statt nur die Vergangenheit. Die uns motiviert, an einer besseren Schweiz f\u00fcr alle zu arbeiten. Nach dem einfachen Motto: Wer das Land liebt, will es verbessern!<\/p>\n\n\n\n<p>Darum feiere ich heute nicht unsere Errungenschaften, sondern spreche \u00fcber unsere Herausforderungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Corona-Krise ist einschneidend und noch nicht ausgestanden. Wir m\u00fcssen wachsam und vorsichtig bleiben. Die Pandemie hat uns gezeigt, wie verletzlich unsere Welt ist. Und sie hat uns daran erinnert, dass es wichtigere Werte als steigende Aktienkurse gibt: den Schutz jedes Menschenlebens, egal welchen Alters.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hat aber auch den Irrsinn einer hyperglobalisierten Wirtschaft offengelegt. Pl\u00f6tzlich fehlten in Europa Medikamente oder Grundstoffe, weil die Produktion aus Profitgr\u00fcnden nach China ausgelagert wurde. Wir sollten das \u00e4ndern, und daf\u00fcr sorgen, dass die Herstellung von lebenswichtigen Produkten wieder regionaler wird \u2013 also zumindest europ\u00e4ischer. Das verkleinert unsere Abh\u00e4ngigkeit vom autorit\u00e4ren Regime in Peking, verk\u00fcrzt die Transportwege und kommt so auch dem Klima zugute.<\/p>\n\n\n\n<p>Regionale Wirtschaftskreisl\u00e4ufe machen uns auch widerstandsf\u00e4higer und schaffen Arbeitspl\u00e4tze vor Ort. Das bietet Chancen f\u00fcr die Landwirtschaft, das Gewerbe, den Tourismus, die Industrie \u2013 gerade auch im Berggebiet. Wir sollten das Konzept der Kreislaufwirtschaft verfolgen, das sich an die Natur anlehnt. Es sollten nur so viele Ressourcen gebrauchen werden, wie nat\u00fcrlich wieder entstehen. Wir sollten nur den Abfall produzieren, den wir auch wiederverwerten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten Monate haben auch gezeigt, wie wichtig eine Politik ist, die auf die Wissenschaft h\u00f6rt. In der Schweiz und in den meisten europ\u00e4ischen Staaten wurden wissenschaftliche Expertisen ernst genommen und das Wissen wurde rasch in verantwortungsvolles Regierungshandeln \u00fcbersetzt. Die Bev\u00f6lkerung hat das mehrheitlich erkannt und unterst\u00fctzt. Nat\u00fcrlich sind auch bei uns Fehler passiert. Aber dank den getroffenen Massnahmen wurden tausende Menschenleben gerettet. Die leider auch bei uns wieder steigenden Ansteckungszahlen erinnern uns allerdings daran, dass es noch zu fr\u00fch ist f\u00fcr eine Bilanz.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar ist aber: Wer wissenschaftliche Erkenntnisse in den Wind geschlagen hat, riss ganze L\u00e4nder in die gesundheitliche und wirtschaftliche Katastrophe. Das traurige Resultat k\u00f6nnen wir heute zum Beispiel in den Vereinigten Staaten oder in Brasilien beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend dieser Krise gab und gibt es in der Schweiz viel Solidarit\u00e4t. In der Bev\u00f6lkerung aber auch in der Politik. Eine umfassende Entlassungs- und Konkurswelle konnte dank den staatlichen Rettungsmassnahmen bis jetzt verhindert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Pandemie hat auch die Schwachstellen unseres Sozialstaates und die Ungerechtigkeiten unserer Wirtschaft gezeigt. KMU mit kleinen Margen, Selbst\u00e4ndige, Kulturschaffende, Freelancer und im Stundenlohn Angestellte hat es viel h\u00e4rter getroffen als grosse Unternehmen und abgesicherte Mitarbeitende. Menschen \u2013 oft Frauen \u2013 in sogenannt \u00absystemrelevanten\u00bb Berufen haben uns alle durch die Krise getragen, erfahren aber zu wenig Wertsch\u00e4tzung und erhalten vor allem zu wenig Lohn! Die Pflege, der Handel, die Logistik, die Sicherheit, die Kinderbetreuung, der Transport, die Schule, die Reinigung und andere Berufsgruppen m\u00fcssen endlich aufgewertet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Erkenntnis der Corona-Krise ist, dass wir den \u00f6kologischen Umbau unserer Wirtschaft dringend brauchen. F\u00fcr ein paar Monate hat das Virus unser Wirtschaftsleben verlangsamt und damit auch die Umweltverschmutzung reduziert. Der Neustart war und ist f\u00fcr uns alle zentral. Aber es besteht auch die Gefahr, dass wir bald wieder dort sind, wo wir vor der Pandemie standen: einen kleinen Schritt vor der Klimakatastrophe. Sie ist eine existenzielle Bedrohung, die leider von vielen weniger ernst genommen wird als die Pandemie. Dieses kurzfristige Denken m\u00fcssen wir \u00fcberwinden. Einseitig auf Wachstum zu setzen, reicht nicht mehr. Ohne eine solidarische Gesellschaft und eine gesunde Natur gibt es keinen nachhaltigen Fortschritt f\u00fcr die Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pandemie hat eine weitere Tatsache offengelegt: L\u00e4nder\u00fcbergreifende Probleme k\u00f6nnen nur l\u00e4nder\u00fcbergreifend gel\u00f6st werden. Darum stimmt es hoffnungsvoll, dass die Europ\u00e4ische Union mit dem 750 Milliarden schweren \u00abRecovery Plan\u00bb und dem gross angelegten \u00abGreen Deal\u00bb wichtige Schritte in Richtung mehr Solidarit\u00e4t und mehr \u00d6kologie macht. Die Schweiz hat auch als Nichtmitglied ein Interesse daran, diese Grossprojekte zu st\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn unser Schicksal ist \u2013 ob wir das wollen oder nicht \u2013 sehr eng an das Schicksal unserer Nachbarn gebunden. Wir sind Teil des europ\u00e4ischen Binnenmarktes. Mehr als die H\u00e4lfte unserer Wirtschaftsleistung basiert direkt oder indirekt auf dem Handel mit den EU-Mitgliedsstaaten. Zudem leben wir in einer Welt, in der das autorit\u00e4re China immer m\u00e4chtiger wird, Putin und Erdogan an Europas Grenzen neue imperiale Fantasien ausleben und die USA unberechenbar geworden sind. F\u00fcr unsere demokratischen Werte bleibt Europa die letzte einigermassen stabile Macht auf der Welt. Der solidarische und \u00f6kologische Wiederaufbau unseres Kontinents ist deshalb im ureigenen wirtschaftlichen und politischen Interesse der Schweiz. Das sollten wir bei aller Skepsis gegen\u00fcber der EU und ihren Schw\u00e4chen nicht vergessen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gesch\u00e4tzte Damen und Herren<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Schweiz liebt, will sie verbessern! Das sollte unsere Ambition sein. Wir wollen beweisen, dass wir f\u00e4hig sind, die grossen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschenleben retten und die Gesundheit sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaft als Orientierungshilfe verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Klima- und Naturschutz endlich als Priorit\u00e4t behandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gerechte und regionalere Wirtschaft als Chance begreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zusammenarbeit \u00fcber die Landesgrenzen hinweg st\u00e4rken. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Lehren aus der Krise sollen uns mutig und weitsichtig machen. M\u00f6gen sie einen optimistischen Patriotismus speisen, der in die Zukunft blickt. Der uns zum Anpacken animiert.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr eine bessere Schweiz, in der wir alle gerne leben und die wir alle lieben k\u00f6nnen. Vielen Dank. Sch\u00f6nen 1. August!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. August feiern wir Jahr f\u00fcr Jahr die Schweiz. Wir kennen die Geschichten und Schlagworte. Freiheit, Gemeinsinn, Vielfalt zum Beispiel. Und als Kulisse unserer Reden dienen uns lodernde Feuer, wehende Fahnen und vor allem m\u00e4chtige Berge.<\/p>\n<p>Ich liebe sie auch, unsere Berge. Darum setze ich mich als Pr\u00e4sident der Alpen-Initiative f\u00fcr ihren Schutz ein. An unserem Familienhaus in Sent h\u00e4ngen am 1. August Schweizer- und B\u00fcndner Fahnen. Ich habe auch schon H\u00f6henfeuer entz\u00fcndet. Und ja: Freiheit, Gemeinsinn und Vielfalt sind auch mir wichtig. Kurz: Ich mag die Traditionen des 1. August.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1975,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"wds_primary_category":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1973","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1973","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1973"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1973\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5560,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1973\/revisions\/5560"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1975"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1973"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1973"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1973"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}