{"id":1661,"date":"2019-12-21T09:02:06","date_gmt":"2019-12-21T08:02:06","guid":{"rendered":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/?p=1661"},"modified":"2025-09-05T13:38:40","modified_gmt":"2025-09-05T11:38:40","slug":"fortschritt-fuer-aeltere-arbeitslose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonpult.ch\/de\/fortschritt-fuer-aeltere-arbeitslose\/","title":{"rendered":"Fortschritt f\u00fcr \u00e4ltere Arbeitslose"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer einigermassen bodennah lebt, kennt mindestens jemanden, der oder die nach einem langen Arbeitsleben die Stelle verloren hat. Oft entstehen daraus H\u00e4rtef\u00e4lle. Einen neuen Job zu finden, ist f\u00fcr \u00e4ltere Arbeitslose \u00e4usserst schwierig. Und die Taggelder der Arbeitslosenversicherung sind befristet. Auch hunderte Bewerbungen und mehrere Weiterbildungen bringen oft keinen Erfolg. Viele Betroffene verlieren zuerst das Einkommen und dann den Mut. Das Alterskapital muss fr\u00fchzeitig angezapft und eine tiefere Rente in Kauf genommen werden. Oder noch schlimmer: Man landet in der Sozialhilfe. Der wirtschaftliche Abstieg ist menschlich entw\u00fcrdigend und sozial zutiefst ungerecht. Die Betroffenen sch\u00e4men sich. Dabei liegt die Schande bei uns allen. So d\u00fcrfen wir als Gesellschaft einfach nicht mit Menschen umgehen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben!<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem l\u00e4sst sich auch statistisch erh\u00e4rten. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist ab einem Alter von 55 Jahren dreimal h\u00f6her als bei den J\u00fcngeren. Die Sozialhilfequote in dieser Alterskategorie ist in den letzten Jahren um \u00fcber 50 Prozent angestiegen. Und nur jede siebte ausgesteuerte Person \u00fcber 55 wird wieder in den Arbeitsmarkt integriert. Die Fakten sind glasklar: Es braucht endlich eine sozialpolitische L\u00f6sung f\u00fcr dieses Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bundesrat hat dies erkannt. Mit einer \u00dcberbr\u00fcckungsleistung will er die beschriebene L\u00fccke in der sozialen Sicherheit schliessen. Menschen, die nach dem 60. Altersjahr von der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert werden, sollen bis zur ordentlichen Pensionierung \u00dcberbr\u00fcckungsleistungen erhalten \u2013 wenn sie in gr\u00f6sserem Umfang erwerbst\u00e4tig waren und nur wenig Verm\u00f6gen besitzen. Unfreiwillige Fr\u00fchpensionierungen mit entsprechend reduzierten Renten oder der unw\u00fcrdige Gang zur Sozialhilfe nach jahrzehntelanger Arbeit sollen verhindert werden. Die neue Leistung soll wie die EL berechnet werden und maximal 58&#8217;000 Franken pro Jahr betragen. Die Sozialpartner haben diese kluge L\u00f6sung entwickelt. Sie ist finanziell problemlos tragbar, auch weil sie den Gemeinden hilft, Sozialhilfekosten einzusparen.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider hat der St\u00e4nderat letzte Woche nicht wie gewohnt l\u00f6sungsorientiert, sondern unsozial politisiert. Die Mehrheit hat die \u00dcberbr\u00fcckungsleistung f\u00fcr \u00e4ltere Ausgesteuerte auf maximal 39&#8217;000 Franken gek\u00fcrzt und zudem beschlossen, dass sie nur ausbezahlt wird, bis die Betroffenen mit 62 oder 63 vorzeitig AHV beziehen k\u00f6nnen. Damit verfehlt der St\u00e4nderat das Ziel der \u00dcberbr\u00fcckungsleistung: ein w\u00fcrdiges Leben bis zur ordentlichen Pensionierung ohne K\u00fcrzung der Altersrente. Was m\u00f6gen betroffene Ausgesteuerte denken, die hunderte von Bewerbungen geschrieben haben und frustriert am Existenzminimum leben, wenn sie sich von gut besoldeten St\u00e4nder\u00e4ten anh\u00f6ren m\u00fcssen, man wolle halt keine Anreize f\u00fcrs Nichtstun setzen? Eine Tageszeitung hat die doppelte K\u00fcrzung treffend als \u00absch\u00e4big\u00bb bezeichnet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im M\u00e4rz hat der Nationalrat die Chance, den sch\u00e4bigen Entscheid des St\u00e4nderates zu korrigieren. Dann k\u00f6nnen wir in der grossen Kammer zeigen, wie l\u00f6sungsorientierte Politik wirklich geht. Mit einem Ja zu einer ungek\u00fcrzten \u00dcberbr\u00fcckungsleistung f\u00fcr \u00e4ltere Arbeitslose. Denn echte L\u00f6sungen messen sich am Fortschritt f\u00fcr Betroffene.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Text ist am 18. Dezember 2019 als Kolumne in der S\u00fcdostschweiz erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer einigermassen bodennah lebt, kennt mindestens jemanden, der oder die nach einem langen Arbeitsleben die Stelle verloren hat. Oft entstehen daraus H\u00e4rtef\u00e4lle. Einen neuen Job zu finden, ist f\u00fcr \u00e4ltere Arbeitslose \u00e4usserst schwierig. Und die Taggelder der Arbeitslosenversicherung sind befristet. Auch hunderte Bewerbungen und mehrere Weiterbildungen bringen oft keinen Erfolg. Viele Betroffene verlieren zuerst das Einkommen und dann den Mut. 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